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Quelle: Friedrich Kapp, Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben, Berlin 1858, S. 97–98:

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Duponceau's Skizze über die Lage der Dinge in Valley-Forge schildert mehr die häusliche als die militärische Seite des dortigen Lebens und möge deshalb hier das von Steuben entworfene Bild ergänzen.

»Wir speisten, sagt er, zwei oder drei Mal in der Woche bei General Washington zu Mittag. Seit Frau Washington im Hauptquartier war, besuchten wir ihn auch wohl Abends und bürgerten uns auf diese Weise sehr bald in seiner Familie ein. Unsere Armee litt an Allem Mangel, an Provisionen, Kleidern, Armaturstücken und Pferdefutter. Ich erinnere mich, daß ich oft die Soldaten ihre Hälse aus ihren elenden Hütten strecken sah und sie dann halblaut rufen hörte: »Kein Brod, keine Soldaten!« Ihre Lage war wirklich bejammernswürdig, und ihr Muth und ihre Ausdauer sind über alles Lob erhaben. Wir, die wir in guten Zelten wohnten, fühlten das Elend nicht so hart, als die gemeinen Soldaten und Subaltern-Offiziere; indessen hatten wir mehr als einmal unsere Rationen mit der Schildwache vor unserer Thür zu theilen. Wir fanden uns übrigens sehr leicht in diese Verhältnisse. Einst luden mit des Barons Erlaubnis seine Adjutanten eine Anzahl junger Offiziere zum Essen in dessen Quartier ein; jedoch sollten keine Gäste zugelassen werden, die ein Paar ganze Hosen hätten. Es ward darunter natürlich nur pars pro toto verstanden, indessen waren zerrissene Kleider die unerläßliche Bedingung der Einladung, und ließ es auch keiner der Gäste daran fehlen. Beim Essen ließen sie sich ihr zähes Beefsteak mit Kartoffeln, sammt dem in Wallnüssen bestehenden Dessert vortrefflich schmecken. Statt des Weines hatten wir eine Art Spiritus, mit welchem wir Salamander rieben, d. h. nach dem wir unser Glas mit Alkohol gefüllt hatten, steckten wir diesen an und schütteten ihn noch brennend hinunter. Eine solche Bande zerlumpter und zur selben Zeit lustiger Gesellen war vielleicht noch nie in Amerika zusammen gebracht worden. Der Baron kam noch später gern auf dies Essen und seine Sansculotten, wie er

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uns nannte, zurück. So ward diese Bezeichnung zuerst in Amerika erfunden und von Steuben den tapfern Offizieren und Soldaten unserer Revolutions-Armee beigelegt. Trotz all' unseres Elend's zeigte übrigens Valley Forge zu jener Zeit auch einige Lichtseiten. Frau Washington hatte den Muth ihrem Mann dahin zu folgen, und bald darauf schmückten auch andere Damen deas Lager mit ihrer Gegenwart. Unter ihnen befand sich u. A. die Frau ddes Generals Greene, eine schöne und ausgezeichnete Frau Ihr Haus war vorzugsweise der Sammelplatz fremder Offizere, weil sie Französisch sprach und in der französischen Literatur schwer bewandert war. Man traf sich fast alle Abende hier oder dort und unterheiel sich bei einer Tasse Thee oder Kaffee. Förmliche Levees oder Soireen, Tanz oder Spiel fanden nicht statt; es wurde nur hie oder da gesungen. Jeder Herr oder jede Dame, die singen konnten, wurden um ein Lied gebeten, und Jeder bemühte sich nach Kräften das Seinige zur Unterhaltung beizutragen.«

Zwei Monate vor Steuben's Ankunft im Lager war die Stelle eines General-Inspektors im Einklang mit den Vorschlägen und Wünschen des Generals Conway geschaffen worden. Der Congreß hatte in seiner Sitzung vom 13. December 1777 beschlossen: »daß es zur Beförderung der Disciplin in der amerikansichen Armeee und zur Abstellung der verschidenen Mißbräuche in den einzelnen Departements nöthig ist, daß in übereinstimmung mit der in den besten euroäischen Armeen herrschende Praxis, daß ein General-Inspektor angestellt und daß dies Amt tüchtigen und erfahrenen Stabs-Offizieren übertragen werde, die mit der Oekonomie im Allgemeinen, sowie mit den Manövern und der Disciplin einer gut organisierten Armee vertraut sind.«

Die Pflichten dieser Offiziere oder vielmehr dieses Offiziers, da Conway allein angestellt wurde, waren ganz dem französischen Muster nachgebildet und bestanden in der Instruktion und Revidirung der Truppen, im Manövriren im Großen