EINSCHREIBEN!
Braunschweig, den 1. Dezember 1934
Wendenstraße 62
Mein lieber Dat!
Da man nach den neuesten Verlautbarungen des N.S.D.-Studentenbundes den Korporationen noch einige Zeit lassen will, ihre Altherrenschaften zu bereinigen, es aber andererseits begrüßt, wenn schon heute verschiedene Korporationen dazu übergehen, ihren Mitgliederbestand nach den Grundsätzen der N.S.D.A.P. zu revidieren, lege ich hiermit mein Ulmerband nieder und hoffe dadurch dem Bund mehr Handlungsfreiheit zu geben.
Du kannst Dir wohl denken, lieber Dat, daß es mir außerordentlich schmerzlich ist, von meinem schwarz-weiß-gelben Band, das ich nunmehr 31 Semester mit Stolz, und, wie ich hoffe, auch in Ehren getraben habe, Abschied zu nehmen. Du weißt ja selbst, wie unendlich viel herrliche Erinnerungen mich an Tübingen und meine Ulmia ketten und wie sehr ich mit ihr verbunden war. Die Zeiten in Tübingen waren jedenfalls die schönsten meines Lebens und ich bin dem Schicksal dankbar, daß ich sie habe verleben dürfen.
Die Erinnerung daran kann mir keine Macht der Welt aus dem Herzen reißen.
Meiner lieben Ulmia werde ich auch fernerhin stets in Dankbarkeit und Treue gedenken und wünsche von Herzen, daß ihr eine glückliche Zukunft beschieden sein möge.
Indem ich Dich freundlichst bitte, den Bundesbrüdern meinen herzlichsten Abschiedsgruß zu übermitteln,
bin ich
mit deutschem Gruß
Dein
Günther Salomon


