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50 Jahre Coburger Convent

Vom 31. Mai bis zum 6. Juni 2001 feierte der CC den Zusammenschluß der Deutschen Landsmannschaft (DL) und der Vertreter-Convents (VC) vor 50 Jahren zum Coburger Convent. Vbr. Dr. Ottobert L. Brintzinger (Schottland, Teutonia Heidelberg) ließ in seiner Ansprache zum Festakt 50 Jahre Verbandsgeschichte Revue passieren.

Sehr verehrte Gäste, meine sehr verehrten Damen und Herren, meine Herren Verbandsbrüder!

Am Pfingstsamstag, dem 12 Mai 1951, wurde in diesem Hause, dem Coburger Landestheater, mit einer Feierstunde der Zusammenschluß der »Arbeitsgemeinschaft Coburg« und der »Arbeitsgemeinschaft Blankenburg« zum »Coburger Convent« (CC) sowie des »Gesamtverbandes Alter Landsmannschafter« (GVAL) und des »Verbandes Alter Turnerschafter« (VAT) zum späteren »Altherrenverband des Coburger Convents« (AHCC) besiegelt.

Der Vorsitzer des neuen AHCC, Vbr. F. E. Nord (Teutonia Bonn) hielt die einführende Rede. Manches damals gesprochen Wort wäre wert, nach einem halben Jahrhundert wieder in Erinnerung gerufen zu werden. Vbr. Walter Kurth (Alte Straßburger Landsmannschaft Teutonia auf der Schanz, Frankfurt a. M.), der Sprecher der »Arbeitsgemeinschaft Coburg« und des neu gegründeten »Coburger Convents« – der heute als letzter noch lebender Redner dieses Tages unter uns weilt – appellierte an die Bereitschaft, den Idealismus und die Konsequenz der Verbandsbrüder, den Aufbruch in die Zukunft zu wagen. Der Hoffnung, daß dies gelingen möge, gaben die Vbr. Lothar Steuer (Germania Bonn), Dr. Gerhard Bergmann (Rhenania Jena) und Wilhelm Sarhage (Arminia Köln) in beredten Worten Ausdruck. Die Geschichte unseres »Coburger Convents« hat an diesem Tage – wie es der damalige Coburger Oberbürgermeister Dr. Langer in seiner Begrüßungsansprache ausdrückte – mit der »Vermählung« der beiden Verbände zu einer harmonischen Ehe begonnen.

Wenn wir heute auf die letzten fünf Jahrzehnte zurückblicken, so kann dies nur ein kursorischer Gang durch unsere Erinnerung sein. Wer weiß noch um die Arbeit, die geleistet wurde, diesen korporationsstudentischen Verband aufzubauen, ihm seine Bedeutung zu schaffen und ihn durch die Fährnisse des Zeitenstroms zu geleiten? Wer nennt die Namen der Persönlichkeiten, die ihm dienten, ihn repräsentierten und ihm Geltung verschafften? Wer kann über die Geschehnisse berichten, die Entwicklungen aufzeigen, den Weg verfolgen, den unser Verband in all den Jahren gegangen ist? Nur summarisch, oft lückenhaft – und manchmal wohl mit subjektiver Sicht – vermag ich – als »Zeitzeuge« über 50 Jahre – dieser Aufgabe in der Kürze der Zeit nachzukommen.

Rückblick auf fünf Jahrzehnte

Zwei Namen stehen am Anfang unserer Geschichte – ohne sie wäre der »Coburger Convent« undenkbar: Dr. Gerhard Bergmann und Ferdinand Ernst Nord. Sie haben – und nicht nur für den »Coburger Convent«, sondern auch für den »Convent Deutscher Akademikerverbände« (CDA) und den »Convent Deutscher Korporationsverbände« (CDK) – die Grundlagen geschaffen, auf denen aufgebaut werden konnte. Vbr. Dr. Bergmann leistete die ideologische Arbeit für das Wiedererstehen des deutschen Korporationsstudententums nach der Unterdrückung während der nationalsozialistischen Herrschaft. Seine »Wende zum Geist« wollte überzeugen – die Skeptiker in den eigenen Reihen wie die Gegner in den feindlichen Lagern –, daß wir trotz Tradition und konservativer Haltung für die Anforderungen der Zukunft gerüstet seien und uns den Aufgaben des Wiederaufbaus unseres deutschen Vaterlandes stellen werden. Die organisatorische Führung lag in den Händen von Vbr. Nord. Was er – mit seinen Fähigkeiten, seinen Verbindungen und dem Gewicht seiner Persönlichkeit – in der ersten Hälfte dieses halben Jahrhundert geleistet hat, läßt sich heute kaum mehr ermessen. Unser Verband hat ihn als Ehrenvorsitzer des AHCC und Träger der »CC-Nadel in Gold«, unsere Kongreßstadt Coburg durch Verleihung ihres Ehrenrings gewürdigt.

Der junge »Coburger Convent« war von einer starken Aktivität geprägt. Der Tradition verpflichtet, der Zukunft zugewandt wurden eine große Zahl von Veranstaltungen angeboten – und von den Aktiven jener frühen Jahre dankbar angenommen.

Nicht nur die turnerschaftliche Tradition im Verband, sondern vor allem auch der tatkräftige Einsatz des Coburger Vbr. Dr. Eux Stocke (Teutonia Heidelberg) führte bereits zu den ersten CC-Sportwettkämpfen Pfingsten 1952, die seitdem jedes Jahr erneuert wurden. Sportlehrgänge für Aktive und Alte Herren, früher vor allem in der Sportschule der Bundeswehr in Sonthofen, seit einigen Jahren – in alter turnerschaftlichen Tradition – in der Sportschule Bad Blankenburg, vereinigen die an sportlicher Breitenarbeit interessierten Mitglieder unserer Bünde und Altherrenschaften in Training und Wettkampf. Die »Sport-Gespräche« des »Coburger Convents« – 1960 in München, 1962, 1968 und 1976 in Coburg – sollten der theoretischen Grundlegung und breiten Diskussion über die Ziele der Sporterziehung dienen. Der Maxime »mens sana in corpore sano« entsprechen die besonderen Wettkämpfe unserer Pfingst-Sportfeste und Sport-Auszeichnungen des Verbandes.

Von Anbeginn des »Coburger Convents« spielte die Frage der Mensur eine bedeutende Rolle. Diese als bestimmendes Element sportlicher Ertüchtigung und männlicher Einsatzbereitschaft wieder in das korporationsstudentische Leben einzuführen, war ein wichtiges Ziel unserer Verbandsgründung. Die Entscheidung des 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofes vom 29 Januar 1953, die die Bestimmungsmensur – nach jahrelanger juristischer Diskussion – straffrei stellte, eröffnete Möglichkeiten des breiten Angebots waffenstudentischer Fechtseminare. Der »Coburger Convent« hatte das Glück, stets über engagierte und talentierte Fechtamtsleiter zu verfügen, die sich um eine gute Ausbildung der Zweitchargierten der Bünde kümmerten. Ich nenne hier nur als Beispiel unsere Vbr. Heinz Pretzlaff (Verdensia Göttingen) und Henner Huhle (Macaria Köln), die jahrzehntelang für den Verband tätig waren und seinen Mensur-Standpunkt prägten.

Staatspolitische Tagungen mit einem breiten Spektrum an Themen gehörten schon früh zum »Repertoire« unseres Verbandes.

CC und Hochschulpolitik

Hochschulpolitische Fragen waren Gegenstand verschiedener Arbeitstagungen seit 1951. Dabei ging es vor allem um die Beziehungen zwischen Korporationen und Hochschulen, die Stellung der Korporationen und ihrer Verbände zu den Hochschulen und ihren Studentenschaften sowie um aktuelle Probleme der Hochschulen und des Studiums. Diese Gespräche haben damals sicherlich dazu beigetragen, die ursprünglich sehr gespannte Atmosphäre zwischen den Hochschulen und den Korporationen zu befrieden. Leider war ihnen ein Erfolg auf Dauer nicht beschieden. Die Korporationsverbände haben – das muß hier angemerkt werden – in den vergangenen Jahrzehnten die Hochschulpolitik zunehmend vernachlässigt und keinen Einfluß mehr auf die Änderungen der Studienbedingungen genommen, die sich vielfach nachteilig für ihre Mitglieder auswirken. Die innerverbandlichen Diskussionen um hochschulpolitische Themen – etwa 1992/93 zu »Abitur und Hochschulzugang« in jüngster Zeit zur Einführung neuer Studienabschlüsse oder zur Qualifizierung von Hochschullehrern ohne Habilitation -brachten keine Außenwirkung. Dies gilt wohl auch für das Thema des 10 Studententags der »Deutschen Sängerschaft« (DS) und des »Coburger Convents« Anfang Januar 2001 in Göttingen: »Quo vadis academia? – Vom Elfenbeinturm zum Unternehmen Hochschule«.

Einen großen Zuspruch fanden in den früheren Jahren auch die »Coburger Hochschulgespräche», die zeitweise zum festen Bestandteil unserer Pfingstkongresse zählten. Mit renommierten Referenten und Diskutanten aus unserem Verband oder Gästen von außerhalb, die ihren Pfingstsonntag hierfür opferten, waren diese Veranstaltungen nicht nur ein Erlebnis und geistiger Genuß, sondern gaben auch Anregungen für die Jahresarbeit der Bünde. Sie wurden damals anderen Anziehungspunkten – wie dem ganztägigen Pfingstausflug nach Vierzehnheiligen oder Schloß Banz oder zum Marktfest in Seßlach – vorgezogen. Die Veröffentlichung der Referate und Diskussionen wirkte noch lange in den Bünden nach. Solche Gelegenheiten zur geistigen Auseinandersetzung innerhalb des Verbandes sind leider in den vergangenen Jahren selten geworden. Dies gilt auch für die frühere Pflicht zur Auseinandersetzung mit den CC-Jahresthemen, denen spezielle Arbeitshefte gewidmet waren.

Studienfördernde und berufsbildende Maßnahmen sind Teil der Angebote, die der Verband für die Mitglieder seiner Bünde vermittelt. Die Organisation solcher Veranstaltungen ist schon wegen der zeitlichen und lokalen Probleme keine leichte Aufgabe. Die Bemühungen mit über verbandlichen Angeboten einen Weg zur besseren Ausnutzung von vorhandenen oder noch zu schaffenden Kapazitäten zu finden, waren wenig erfolgreich. Durch die Gründung der »CC-Akademie« im Jahre 1999 hoffen wir, eine Lösung gefunden zu haben.

»Gesamtdeutsche Tagungen« und »Studententage«

Mit den »Berlin-Tagungen« 1952, 1956, 1958 und 1960, den in Zusammenarbeit mit der »Deutschen Sängerschaft« (DS) durchgeführten »Gesamtdeutschen Tagungen« von 1961 bis 1991 wollte der »Coburger Convent« über die deutsche Frage informieren, die Probleme der geteilten Nation aufzeigen und das Streben nach deutscher Einheit in Frieden und Freiheit entsprechend dem Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes wachhalten. Der Sprecher der Präsidierenden des CC 1974/75, Vbr. Jürgen Kretzer-Moßner (Brandenburg-Berlin), hat als zuständiger Amtsleiter sich große Verdienste um die Organisation dieser Tagungen von 1976 bis 1991 erworben.

Die Fortsetzung dieser staatspolitischen Veranstaltungen als »Deutscher Studententag des CC und der DS« führte dann – trotz erheblicher organisatorischer Probleme – zunächst in Hochschulorte der neuen Länder – nach Dresden (1992, 1994 und 1996), Weimar (1993), Leipzig (1995), Berlin (1997), Rostock (1998) und Halle (1999) –, bevor diese Treffen in den Jahren 2000 und 2001 erstmals in westdeutschen Hochschulorten – in Frankfurt a. M. und Göttingen – durchgeführt wurden. Für zukünftige Jahre ist beabsichtigt, an einen Veranstaltungsort in den neuen Ländern – nach Bad Blankenburg –zurückzukehren.

Mit diesen Tagungen sollte auch eine zweite Begegnung von Verbandsbrüdern aus dem ganzen Bundesgebiet im Jahresablauf – neben den Coburger Pfingstkongressen – ermöglicht werden. In der Zusammenarbeit mit der »Deutschen Sängerschaft« (DS) wurden gleichzeitig Ziele des Freundschaftsabkommens beider Verbände vom 29. Dezember 1956 verwirklicht und freundschaftliche Kontakte zwischen den Korporationen der beiden Verbände geknüpft.

Brückenschläge

Es gab im »Coburger Convent« immer wieder vielfältige Bemühungen, soziale Vorurteile abzubauen, Brücken zu schlagen und gegenseitiges Verständnis zwischen Studenten und anderen Berufsgruppen zu wecken, den Geist der Zeit in einer persönlichen Begegnung zu erleben, das soziale Gefüge unserer Generation nicht nur theoretisch und einseitig zu erfahren, sondern am Beispiel eines – im Blickpunkt jeder sozialen und wirtschaftlichen Auseinandersetzung stehenden – Berufsstandes aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Dies war Sinn und Zweck der Begegnungen »Student und Bergmann« 1954 in Bochum, »Student und Seemann« 1955 in Hamburg, »Student und Bauer« 1956 in München, »Student und Handwerker« 1957 in Berlin, »Student und Industriearbeiter« 1958 in Hustedt bei Hannover, »Student und Soldat« 1959 in Hennef bei Bonn, nochmals »Student und Industriearbeiter« 1960 in Hustedt und »Student und Soldat« 1961 in Rheinbach. Eine geistige und reale Gesamtschau des Lebens zu vermitteln, Studenten mit wirtschaftlichen, technischen, sozialen, menschlichen und ökologischen Problemen zu konfrontieren – dies ist bis heute eine Aufgab des »Coburger Convents« geblieben, wie das Thema des 3. Deutschen Studententags des CC und der DS im Januar 1994 in Dresden beweist: »Leistungsfähige Wirtschaft – Motor für soziale und politische Integration«.

Soziale Aufgaben waren stets ein Thema unseres Verbandes. Bereits einer der Vorgänger-Verbände des AHCC, das »Alt-Akademikerwerk e. V.« unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister a. D. Zimmermann (Darmstadtia Gießen), widmete sich sozialen Aufgaben in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit der »Rudolf-Löffler-Stiftung«, der »Coburger Sozietät für Studentenhilfe« oder der »Coburg-Blankenburger Studentenburse« wurden Einrichtungen geschaffen, die in Notfällen einspringen, Betreuung und Hilfen gewähren oder bei der Finanzierung von Baumaßnahmen an oder für Korporationshäuser Kredite bereitstellen. Ohne diese sozialen Institutionen wäre die Erneuerung oder Neuanschaffung vieler Korporationshäuser, vor allem auch nach der Wiedervereinigung in den neuen Ländern, nicht möglich gewesen.

Zahlreiche Chargierten- und Fuchsmajor-Tagungen über die Jahre hinweg, Tagungen der Amtsleiter des CC und Beauftragten des AHCC mit dem Präsidium des CC/AHCC, Sitzungen des CC-Rats als Gremium gewählter Vertreter des CC-Tages und des AHCC-Tages zwischen den alljährlichen Coburger Generalconventen zur Beratung des CC/AHCC-Präsidiums und zur Vorbereitung von wichtigen Beschlüssen der Convente runden das Bild einer aktiven korporationsstudentischen Verbandes ab.

Viele ehrenamtliche Mitarbeiter

Was in diesen Jahren bewegt und geschaffen worden ist, läßt sich nicht im Rahmen eines kurzen Überblicks erfassen. Jedoch muß an dieser Stelle das ehrenamtliche Engagement vieler hunderter Verbandsbrüder hervorgehoben werden, die – teilweise über Jahrzehnte – dem Verband mit Hingabe dienten, ihre Zeit, Kraft und oft auch viel Geld opferten – meist ohne mehr als ein schnell verhalltes Wort des Dankes zu erfahren. Dies gilt für Sprecher der Präsidierenden des CC genau so, wie für die Vorsitzer des Vorstandes des AHCC, die Amtsleiter des CC und die Beauftragten des AHCC und viele andere Verbandsbrüder, die sich für wichtige Funktionen zur Verfügung stellten. Seit Vbr. Walter Kurth, dem ersten Sprecher der »Arbeitsgemeinschaft Coburg« und des CC in den Präsidialjahren 1950/51 und 1951/52, haben weitere 49 Sprecher dieses Amt wahrgenommen. Manche davon sind in anderer Funktion wiedergekehrt und haben ihre Erfahrungen als Amtsleiter des CC, Beauftragte oder Vorsitzer des AHCC in die Verbandsarbeit eingebracht. Die Vorsitzer des AHCC hatten (und haben) meist das schwerere Amt, nicht nur weil ihre Amtszeit nach der Verfassung unseres Verbandes längerfristig angelegt ist, sondern auch weil sie als Funktionäre des – die moralische wie finanzielle Verantwortung für alles Geschehen tragenden – rechtsfähigen Vereins ihre Aufgabe mit strengerem Augenmaß zu erfüllen haben. Außerdem stehen sie meist im Beruf, der oft ebenfalls hohe Ansprüche an sie stellt.

Entsprechendes gilt für die Amtsleiter des CC und die Beauftragten des AHCC. Ohne ihre tatkräftige Mithilfe wäre ein Verband mit – naturgemäß – zentrifugalen Kräften nicht zu steuern und zu führen. Sie sind die »Puffer« zwischen den Bünden, Altherrenvereinigungen, Ortsverbänden und dem CC/AHCC-Präsidium, die Helfer im Einzelfall und Gehilfen der Verbandsarbeit, aber auch die Rat- und Ideengeber für die Gestaltung der Zukunft unseres Verbandes. Wir verdanken ihrer – oft über viele Amtsperioden dauernden – engagierten Arbeit ganz wesentlich das heutige Erscheinungsbild unseres »Coburger Convents«.

Es ist hier nicht möglich, alle jene zu nennen, die daran mitgewirkt, mitgeformt haben. Aber einige herausragende Persönlichkeiten unseres Verbandes zu gedenken, erscheint mir Verpflichtung angesichts ihrer Leistungen. Vbr. Dr. Hans Eichler (Cheruscia Leipzig) war der Schöpfer unserer Verfassung, der Satzungen und Geschäftsordnungen des AHCC e. V. und des CC. Ihr heute noch gültiges »Gerüst« trug unseren Verband über fast 50 Jahre und hat seine Stärke über diese lange Zeit bewiesen, auch wenn die eine oder andere zeitbedingte Änderung oder Ergänzung erforderlich wurde. Vbr. Edgar Günther (Cimbria Göttingen) war von 1974 bis zu seinem Tode im Jahre 1997 Vorsitzer des Obersten Ehrengerichts unseres Verbandes, von 1983 bis 1994 zugleich AHCC-Beauftragter für Verfassungsangelegenheiten. Er hat in dieser Zeit die Rechtsfragen unseres Verbandes wesentlich bestimmt. Unsere Verbandszeitschrift, die »CC-Blätter«, Mittler zwischen Verband und den in der Bundesrepublik und darüber hinaus verstreuten Verbandsbrüdern, wurden von 1953 bis 1964 von Vbr. Dr. Gerhard Bergmann (Rhenania Jena) geprägt, von 1965 bis zu seinem allzu frühen Tode im Jahre 1996 von Vbr. Heinz Kraus (Hercynia-Prag/Frankfurt a. N., Franconia-Teutonia a. d. Schanz Regensburg, Salzburger zu Salzburg) gestaltet. Die Arbeit dieser beiden Verbandsbrüder hat vor allem dazu beigetragen, daß aus unserem Zusammenschluß von Bünden gleicher Gesinnung und Tradition eine freundschaftliche Verbundenheit geworden ist, die unseren Verband belebt.

Es sei mir nach diesen Ausführungen gestattet, all den genannten und auch den nicht namentlich erwähnten Verbandsbrüdern, die in diesem halben Jahrhundert unserem Verband, in welcher Funktion auch immer, gedient und für ihn gearbeitet haben, im Namen aller Mitglieder unseres Verbandes – in Ihrer aller Namen – Dank und Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement auszusprechen. Dieser Dank gilt aber auch den Damen unserer Verbandsbrüder und ihren Familienangehörigen, die diese Tätigkeit für den Verband geduldet und unterstützt, ja oft tatkräftig mitgetragen haben. Der »Coburger Convent« steht tief in ihrer Schuld.

Der CC und die Stadt Coburg

Wir – meine Herren Verbandsbrüder – haben aber hier und heute auch der Stadt Coburg, ihren Bürgerinnen und Bürgern, der Stadtverwaltung – an ihrer Spitze den Herren Oberbürgermeistern und Bürgermeistern –, Handel, Handwerk und Gewerbe – die Wirte nicht zu vergessen –, sowie der örtlichen Presse zu danken, die in unvergleichlicher Weise seit 1873 – damit im 129 Jahr – Gastgeber unserer Pfingstkongresse sind und diese begleiten. Pfingsten in Coburg ist für viele unserer Verbandsbrüder und ihre Angehörige ein Wochenende der Freude und der Freundschaft, ein zweites Stiftungsfest ihres Bundes und eben das wichtigste Ereignis unseres Verbandes im Jahreslauf. Und wir freuen uns stets, daß der traditionelle Abschluß unseres Pfingstkongresses, der Markt-Frühschoppen am Pfingstdienstag, zum lokalen Feiertag der Stadt geworden ist. Wir fühlen uns in Coburg zuhause, manchmal mehr als dem einen oder anderen Bürger der Stadt lieb sein mag. Hier bitten wir um Nachsicht und entschuldigen uns für Unarten, die begangen wurden. Wir können Ihnen nur versichern: wir lieben Coburg und wir danken allen, die uns in diesen vielen Jahren Gastfreundschaft gewährt haben und sich uns verbunden fühlen.

Unsere Pfingstkongresse sind nicht mehr nur Arbeitstagungen mit Conventen, die über wichtige Fragen diskutieren und Beschlüsse fassen. Die Zahl derer, die an den Conventen teilnehmen ist weit geringer als die jener, die hier feiern. Die Pfingstkongresse in Coburg sind längst – darauf habe ich schon in meiner Ansprache zum Festkommers 1987 hingewiesen – zu »Familienfesten« der Begegnung unserer Bundes- und Verbandsbrüder und ihrer Angehörigen geworden. Die Vergnügungen verdrängen die Arbeitstagungen des Verbandes, die Möglichkeiten zur Erörterung unserer Probleme und des Bemühens, Wege zu finden, diese zu bewältigen. Wir müssen aber beiden Aspekten gerecht werden, der Arbeit wie dem Vergnügen. Dies sollten wir bei solcher Gelegenheit nicht vergessen.

Dank zu sagen ist an dieser Stelle auch der Coburger Polizei und dem Bundesgrenzschutz, die viele Jahre mit großem Einsatz unsere Sicherheit während der Pfingsttage gewährleisteten. Wir hoffen und wünschen, daß wir heute und in Zukunft wenig Anlaß haben werden, diesen Schutz zu erbitten.

Und schließlich müssen wir ganz herzlichen Dank auch dem Kongreßbeauftragten unseres Verbandes, Vbr. Hans Schollmeyer (Ghibellinia Heidelberg, Munichia Bayreuth), und seinen Mitarbeitern abstatten, die die Organisation dieses Mixtum von Arbeitstagungen, Öffentlichkeitsveranstaltungen, Sportwettkämpfen, Familienfest und allem, was sonst noch dazu gehört, »im Griff behalten«, ohne daß es »knirscht« oder etwas »entgleist«. Dies ist eine großartige Leistung, die meist viel zu wenig gewürdigt wird. Kein Sprecher der Präsidierenden des CC und kein Vorsitzer des AHCC – ich spreche aus eigener Erfahrung – wären in der Lage, diese Pfingstkongresse ohne den unermüdlichen und tatkräftigen Einsatz unseres Kongreßbeauftragten und seiner Mitarbeiter zu bestehen. Herzlichen Dank Ihnen allen!

In den neuen Bundesländern

Wir waren glücklich, im Jahre 1990 nicht mehr – wie Jahrzehnte zuvor – unseren Pfingstkongreß einige Kilometer von der innerdeutschen Grenze entfernt begehen zu müssen, sondern die neue Durchlässigkeit der Grenze erfahren zu können. Unsere erste Fahrt nach Thüringen ging nach Bad Blankenburg, der Heimat und Sehnsucht unserer Verbandsbrüder aus den Turnerschaften, die 1951 im »Coburger Convent« aufgegangen sind. Wir haben dort die von den Turnerschaften in den zwanziger Jahren errichtete Sportanlage und das Ehrenmal auf der Burg Greifenstein bewundert und später alle Anstrengungen unternommen, dieses Erbe zu bewahren. Heute dürfen wir dankbar anerkennen, daß wir in Bad Blankenburg eine zweite Heimat gefunden haben, gerne dort tagen und unsere Sportlehrgänge in der – mit der Geschichte der Turnerschaften so eng verbundenen – Sportschule des Landesportverbandes Thüringen durchführen. Für die uns in den letzten elf Jahren entgegengebrachte Gastfreundschaft danken wir heute mit einem herzlichen Gruß an Bad Blankenburg!
Pfingsten 1991 schlossen sich uns – als Ergebnis der deutschen Einigung vom 3. 0ktober 1990 – die ersten Bünde an Universitäten in den neuen Ländern an: die Akademische Landsmannschaft Baltia Rostock, die rekonstituierte Landsmannschaft Vitebergia Halle und die – aus einer bereits vor der Wende begründeten Korporation entstandene – Akademische Landsmannschaft Saxo-Afrania Leipzig. Die zähen Bemühungen, insbesondere unseres Vbr. Hebs Wesener (Merovingia-Darmstadt, Berlin zu Berlin, Hansea a. d. Wels München), für unseren Verband wieder aktive Bünde an den Hochschulen der neuen Länder zu gewinnen, trugen Früchte. Allerdings mußten wir in den folgenden Jahren auch erfahren, daß sich nicht alle Hoffnungen auf ein baldiges Erstarken der korporationsstudentischen Idee an den Hochschulen in den neuen Ländern nach 55-jähriger Zwangspause erfüllen lassen.

Im gleichen Jahr – 1991 – sind die österreichischen Bünde – zuvor mit dem »Coburger Convent« in einer Arbeitsgemeinschaft freundschaftlich verbunden – wieder als Vollmitglieder aufgenommen worden. Die Akademische Landsmannschaft der Salzburger zu Salzburg ist im Präsidialjahr 2000/01 die erste Präsidierende des CC aus Österreich. (Wir wären dankbar wenn sie nicht allzuviel »Salzburger Schnürlregen« für das – sonst berühmte – Pfingstwetter nach Coburg mitgebracht hätte …)

Bilanz

Gewiß haben wir bei diesem Rückblick auf das letzte Halbjahrhundert nicht nur Anlaß, eine stolze Bilanz über all die Jahre zu ziehen und uns glücklich zu schätzen, daß wir so viel erreicht haben. Die Narben, die wir im Laufe der Zeit erfahren und erlitten haben, sollten wir darüber nicht vergessen. Dazu zählen der Verlust einer Reihe von renommierten Bünden und ihrer Altherrenschaften nach der Auseinandersetzung des Jahres 1971 um die »Mensur als Verbandsprinzip«, bei der die waffenstudentische Tradition unseres Verbandes obsiegte. Aber auch die Angriffe linker Chaoten gegen Veranstaltungen unseres Verbandes, insbesondere die feierlichen Gedenkstunden zur Einheit Deutschlands, schmerzten – ebenso wie die sinnlose Zerstörung unseres Ehrenmals im Coburger Hofgarten im Jahre 1997. Unser Bekenntnis zur deutschen Einheit, zu unseren in zwei Weltkriegen gefallenen Bundes- und Verbandsbrüdern, zu einem deutschen Vaterland in einem geeinten Europa macht uns noch lange nicht zu Faschisten – wie unsere lautstarken Gegner meinen. Sie verkennen, daß wir unter nationalsozialistischer Herrschaft verboten und verfemt waren – und erst vor 50 Jahren uns wieder frei entfalten konnten.

Ausblick

Wozu sind Jubiläen – wie dieses – gut? Vielleicht dazu: einen Merkstein in den Strom der Zeit zu setzen, an dem wir uns kurz festklammern und verschnaufen können, bevor wir wieder in die Zukunft »weiterpaddeln«. Doch – meine ich – ist ein Rückblick ohne Ausblick nur die halbe Wahrheit. Ohne Verkennung der mir übertragenen Aufgabe halte ich es für geboten, am Beginn des zweiten Halbjahrhunderts »Coburger Convent« und zugleich in den ersten Monaten eines neuen Jahrtausends, darauf aufmerksam zu machen, daß die Zeit schneller fortschreitet, als wir dies in den letzten fünf Jahrzehnten erlebt haben, und damit der Strom der Zeit heute und zukünftig mehr Gefahren birgt als in unserer Vergangenheit.

Die anstehenden Änderungen der Studien- und Ausbildungsbedingungen, die der Internet-Zugang und die Möglichkeiten der weltweiten Informations- und Kommunikationstechniken bieten, werden in absehbarer Zeit immer stärkeren Einfluß – auch – auf unser korporationsstudentisches Leben nehmen. Hierauf habe ich vor Kurzem bereits an anderer Stelle hingewiesen. Wir müssen uns – rechtzeitig – mit den neuen Problemen befassen und nach Lösungen suchen, wie wir die Werte, die wir einst mit dem Burscheneid beschworen haben, für die Zukunft bewahren können.

In diesem Sinne wünsche ich dem »Coburger Convent« und seinen Mitgliedern nach altem Brauch ein »vivat, crescat, floreat« für eine glückliche Zukunft!