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Rede zum Deutschlandkommers 2010 in Stuttgart am 25.09.2010

Michael Föll, Erster Bürgermeister von Stuttgart

Herr Ministerpräsident, Herr Vizepräsident Wieland, Herr Oberbürgermeister Kastner, meine sehr geehrten Herren,

ich überbringe ihnen mit großer Freude und voller Respekt die allerbesten Grüße der Landeshauptstadt Stuttgart zu Ihrem Deutschlandkommers und wir sind Ihnen außerordentlich dankbar, dass er hier in Stuttgart stattfindet. Wir freuen uns darüber, dass der Coburger Convent hier in Stuttgart diesen Deutschlandkommers durchführt, und ich will dem AHCC und dem VACC namentlich Ihnen, Herr Dr. Weiß, Dr. Müller und vor allem Herr Kanitz ganz, ganz herzlich danken, dass Sie den Kommers hier nach Stuttgart geholt haben und hier organisiert haben. Herzlichen Dank.

Und natürlich bin ich Ihnen auch für die Einladung dankbar, das hat mehrere Gründe. Zuerst einmal ist es für mich eine Premiere, an einem Kommers teilnehmen zu dürfen und ich freue mich und genieße das wirklich und danke deshalb dafür. Aber ich bin auch wirklich dankbar Ihnen, Herr Professor Vogel, Ihren Festvortrag gehört zu haben, weil ich glaube, dass es wenige deutsche Politiker gibt, die in dieser Authentizität wie Sie, über die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen in der Bundesrepublik Deutschland sprechen können. Auch dafür ganz, ganz herzlichen Dank, ihnen lieber Herr Professor Vogel.

Dieser Kommers erinnert mich an einen der schönsten und glücklichsten Momente der deutschen Geschichte und ich finde auch im Zusammenwachsen, zumindest aus schwäbischer Sicht, ist das Glas doch weit mehr als halb gefüllt in Deutschland, auch wenn noch etwas zu tun ist. Ich bin ihnen, Herr Ministerpräsident, auch dankbar, dass sie daran erinnert haben, was die DDR tatsächlich gewesen ist, nämlich eine Diktatur und ein Unrechtsstaat. Und ich betone das deshalb, das mag jetzt für den einen oder anderen ein weiter Bogen sein, ich betone das deshalb, weil gerade in unserer Landeshauptstadt, wir haben ja gerade sehr lebendige Tage und Rotten in unserer Landeshauptstadt Stuttgart, und es liegt nicht nur daran dass gestern das Volksfest eröffnet wurde. Das größte Schaustellerfest und ein außerordentlich großes Fest mit vier Millionen Besuchern, sondern es liegt natürlich daran, weil wir gegenwärtig Demonstrationen in unserer Stadt gegen ein Verkehrsprojekt wie Stuttgart 21 haben. Ich betone das deshalb, weil die Gegner für sich den Begriff der Montagsdemonstrationen in Anspruch nehmen. Und da muss ich sagen, kann man nur feststellen, dass diejenigen die die ganze moralische Kraft und Autorität, die Montagsdemonstranten in Leipzig, in Dresden, in Erfurt entfaltet haben, dass diejenigen, die diesen hier in Stuttgart für sich in Anspruch nehmen, nicht wissen, was die DDR  gewesen ist und für was die Menschen in der DDR auf die Straße gegangen sind, im Herbst 1989, aufs Spiel gesetzt haben. Die haben nämlich ihre Existenz, Leib und Leben aufs Spiel gesetzt, in der Diktatur, im Unrechtsstaat SED, der nun einmal die DDR gewesen ist. Und von daher glaube ich, gerade auch die Aufgabe des Coburger Convents, immer wieder daran zu erinnern, dass die DDR jedem das gewesen ist, was sie tatsächlich war und dass wir das auch in die kommenden Generationen weitertragen, damit es in Deutschland nicht in Vergessenheit gerät.

Meine Herren, ich habe kurz über Stuttgart 21 gesprochen, man kann sozusagen feststellen, dass der Schwabe in zwei Wesensarten existent ist. Es gibt den sogenannten „verhockten“ Schwaben, also das ist der Schwabe, der seinen Flecken nicht verlässt und es gibt den weltoffenen Schwaben, der in die Welt hinaus geht, zwar ein fürchterliches Heimweh nach seinem geliebten Schwaben und Württemberg hat, aber wenn er zuhause in Schwaben und Württemberg ist, dann treibt ihn das Fernweh wieder in die Welt. Im Grunde genommen ist die ganze Diskussion um Stuttgart 21 eine ziemlich einfache: Das ist die Diskussion zwischen den „Verhockten“ und den weltoffenen Schwaben, die nun einmal stattfindet. Da Württemberg ein prosperierendes Land ist und wir wirklich mit Freude unseren Beitrag zur Finanzierung der deutschen Einheit geleistet haben, und auch in Zukunft leisten werden, da Württemberg ein prosperierendes Land ist, kann man eigentlich davon ausgehen, dass sich der weltoffene Schwabe durchsetzen wird und das wird dann auch bei dem Projekt Stuttgart 21 so sein.

Meine Herren, unser Alt-Oberbürgermeister Rommel hat immer gesagt, nur ein kurzes Grußwort ist ein gutes Grußwort, deswegen will ich schließen, dem Coburger Convent alles Gute wünschen, in der Zukunft einen weiteren guten Verlauf dieses Kommerses und unseren Gästen einen angenehmen Aufenthalt in unserer Landeshauptstadt. Herzlichen Dank.