Dokumentation › Reden › Stefan Hamann › 

Rede von Vbr. Hamann zur Feierstunde auf dem Pfingstkongreß 2007

Einheit aktiv gestalten. Unter diesem Motto steht das Präsidialjahr der Präsidierenden Landsmannschaft Palaeomarchia Halle. Um die deutsche Einheit zu feiern, haben wir uns hier zusammengefunden.

Manche Wirkköpfe werfen uns dies vor und meinen, da gäbe es nichts zu feiern und »Nie wieder Deutschland« liest man an manche Wand geschmiert. Es sind Menschen, die sich als hoffnungslose Verlierer sehen, die meinen, dieser Staat schütze die einen und bringe sie zu Wohlstand und lasse die anderen einsam im Regen stehen.

Aus dieser vermeintlichen Traufe wenden sich meist junge Menschen gegen Deutschland und bauen sich den Staates, die Gesellschaft, wozu wir gehören, als ihr Feindbild auf. Dabei sind es der Staat und die Gesellschaft, die sich nach der Wiedervereinigung intensiv darum gekümmert haben, im Osten Städte zu renovieren und in ganz Deutschland Infrastrukturen zu schaffen, die es der Bevölkerung ermöglichen, an einem modernen Leben teilzunehmen.

Diese Infrastruktur hat dazu geführt, dass in vielen Bereichen alte Unternehmen modernisiert und junge Unternehmen geschaffen werden konnten, die heutzutage auch international hervorragend dastehen. Und genau dieser Mittelstand hat bewirkt, dass wir immer noch ein Sozialsystem unterhalten, um das uns nicht nur die meisten Staaten der Welt beneiden, sondern das auch viele dazu bewegt, Deutschland als ein Wunschland anzugeben.

Von diesem Sozialsystem profitieren viele dieser Gegner dieses Landes und der Feier, die wir hier begehen. Wüssten sie, wie schlecht es sein könnte und könnten sie anerkennen, wie sehr sich dieser vereinigte Staat auch um die sozial Schwachen kümmert, so würden sie sich ob dieses gemeinsamen Erfolges an der Feier der deutschen Einheit beteiligen.

Aber es gibt auch die anderen, die sich zwar nicht ausgeschlossen sehen, aber dennoch Kritiker der Einheit sind und vorrechnen, die Einheit sei »zu teuer erkauft« worden.

Doch darf man hier fragen:« Wie hoch kann der Preis für den Frieden sein?« Zehntausende Panzer waren zur Zeit der Teilung Deutschlands auf beiden Seiten der Grenze kampfbereit.

Es ist erstaunlich, dass viele aus dem Kreise der Einheitsgegner zu jener Zeit aus Angst um die eigene Existenz und die ihrer Kinder auf die Straße gingen, gegen Aufrüstung demonstrierten und sich in Friedensorganisationen zusammenschlossen. Heute sind die Panzer weg und der kalte Krieg Geschichte, also auch ihr Ziel erreicht – zumindest in diesem Punkte.

Es ist eine gewisse Tragik, dass zu wenige Gemeinsamkeiten gesehen und gesucht werden, sondern ein »Lagerdenken« kultiviert wird.
Genauso wie wir uns alle nach Frieden sehnten und sehnen, lediglich unterschiedliche Auffassungen über die Wege hatten, sollten wir uns jetzt darüber freuen und hier gemeinsam die deutsche Einheit in einem befriedeten Europa feiern.

Ich möchte jedoch nicht alles rosa zeichnen und nur von blühenden Landschaften sprechen, sondern Zuversicht über das noch nicht Vollendete reklamieren. Oft ist zu beobachten, dass es an den Orten, die hinter der positiven Gesamtentwicklung zurückliegen, auch an Mut, Zuversicht und Entschlossenheit bei der aktiven Gestaltung fehlte.

Einheit aktiv gestalten ist daher ein Aufruf an alle Deutschen und auch an diejenigen, die nach Deutschland gekommen sind, um mit uns Deutschen zu leben:

Leisten Sie Ihren Anteil, damit die deutsche Einheit in jeder Form auf dem Weg des Erfolges bleibt, und wir jedes Jahr die Möglichkeit haben werden, die Einheit Deutschlands zu feiern.

Ich wünsche uns, dass damit auch mehr und mehr gesellschaftliche Gruppierungen einander näher kommen und einen Grund sehen, gemeinsam zu feiern.

So vielseitig wie der Coburger Convent ist auch die Gesellschaft, somit könnte unsere Präsidialzeit alle, die hier zuhören, animieren, aktiv zu bleiben oder aktiv zu werden.

Nach einer großen Verbindung aus Bayern, die uns letztes Jahr einen großzügigen Pfingstkongreß und ein hervorragendes Präsidialjahr bescherte, folgte nun ein kleiner Bund aus Sachsen-Anhalt. Er ist der erste, der im Turnus des Coburger Conventes die Herausforderung annahm, zu präsidieren und dies mit Mut und Zuversicht in einem wohlwollenden Verband auch getan hat und tut. Das beweist, dass ein jeder nach seinen Möglichkeiten einen Beitrag leisten kann.

Doch hüte man sich in allen Bereichen des Lebens, wo dieser Satz Anwendung findet, davor, Beiträge zu vergleichen und Neid und Missgunst ins Spiel zu bringen. So sei denen, die meinen, der Osten Deutschlands habe vom Aufschwung mehr profitiert, mit einem Ausspruch Ernst Jüngers entgegnet:

»Wenn dein Bruder vor der Tür steht, dann fragst du auch nicht, was er dich kosten wird, sondern du lässt ihn ein.«

Wenn wir an gemeinsame Ziele mit Nutzen für jeden denken, statt an Abgrenzung und Konkurrenz und aktiv daran arbeiten, dann werden wir noch viele Jahre die Einheit feiern können, im Coburger Convent unter den Verbindungen, im Korporationsstudententum zwischen den verschiedenen Dachverbänden und in Deutschland mit seinen Interessengruppen.

Lassen Sie uns alle die Einheit feiern und aktiv gestalten.