Presseerklärung des Coburger Convents vom Januar 2004
Elite-Universitäten
Nicht nur eine Frage der akademischen Bildung
Der Coburger Convent (CC) begrüßt die Erkenntnis des SPD-Präsidiums, Elite als notwendig für die zukünftige Entwicklung Deutschlands anzuerkennen und damit Spitzenleistungen im internationalen Maßstabzu erreichen. Waren es doch gerade SPD-geführte Länder, die mit ihrem Vermassungskonzept via Gesamtschule und Gesamthochschule für ein immer mehr nach unten nivelliertes Mittelmaß sorgten. Auch die gegen den allgemeinen Sachverstand der universitären Lehrkörper eingeführte Spezies der Juniorprofessoren hat dazu beigetragen, die Leistungsfähigkeit in Forschung und Lehre einzuschränken.
Der Coburger Convent ist mit Studenten wie Hochschullehrern solidarisch über die Entwicklungen an den deutschen Universitäten. Lehre, Forschung und Ausbildung leiden heute unter einer langjährig verfehlten Bildungspolitik einzelner Bundesländer, die auf Quantität und nicht Qualität – wie seit Jahrzehnten vom Coburger Convent postuliert – gesetzt haben. Von den Kürzungen der Hochschuletats sind besonders diejenigen betroffen, die nicht über eine wirksame Lobby verfügen.
Der Coburger Convent verficht die weitere Beibehaltung Humboldtscher Bildungstradition, die in der Vergangenheit die Grundlage internationaler Anerkennung deutscher Forscher war. Die privaten Universitäten, die mit ihrer zielgerichteten Ausbildung auf einen geplanten Berufseinstieg zumeist rein praxis- wie leistungsbezogene Abschlüsse in Regelstudienzeit sicherstellen, verleihen sich selbst das Prädikat der Elite – und das ohne entsprechende Evaluierung. Ihre vermittelte Ausbildung ist zu stark fachlich spezialisiert und vornehmlich auf die Bedürfnisse der sie finanzierenden Wirtschaft ausgerichtet.
Der Coburger Convent hält die bisher getroffenen Maßnahmen mit Kürzungen für den Hochschulausbau, Einführung der Juniorprofessur und drastischer Kürzung von Forschungsmitteln für ungeeignet, um eine Bildungselite heranzuziehen. Der Verband tritt bei seinen eigenen studierenden Mitgliedern für ein zügiges Studium bis zum Abschluß, Erlangung wissenschaftlicher Qualifikation und sozialer Kompetenz durch gesellschaftliches Engagement ein.
Die Herausbildung einer Elite ist eben nicht allein eine Frage der akademischen oder der allgemeinen Bildung, sondern mindestens ebenso der Persönlichkeitsentwicklung. Eigenschaften wie Engagement, Eigenverantwortung, unternehmerische Risikobereitschaft, Innovationsfreude oder Durchhaltevermögen lassen sich nicht durch Seminare vermitteln, schon gar nicht durch unsäglich überfüllte. Die vielfach eingeforderten soft skills wie Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Qualitätsbewußtsein oder Führungsvermögen könnten zwar während des Studiums geübt und ausgebaut werden, doch de facto werden sie seitens der Hochschullehrer weder vermittelt noch verlangt.
Als Zusammenschluß der akademischen Landsmannschaften und Turnerschaften in Deutschland und Österreich vertritt der Coburger Convent rund 15.000 Mitglieder. Der CC ist mit rund 100 Korporationen an 43 Hochschulorten vertreten.


